Ein Gefühl zwischen Ohnmacht und Lebensfreude

Ein Gefühl zwischen Ohnmacht und Lebensfreude

Von Richard Gelinek.

Seit Jahren gibt es – seinerzeit angeregt durch Vincent Munyengango und Ann Brüsch  – eine Zusammenarbeit zwischen der Hamburger Regionalgruppe SOS Ruanda e.V. und dem W.E.T., was sich beispielsweise in Spendensammlungen oder Flohmärkten zugunsten von Projekten für Kinder in Ruanda niederschlug. In der früheren deutschen bzw. belgischen Kolonie Ruanda (Ostafrika) wurden 1994 nach unterschiedlichen Schätzungen bis zu einer Million Menschen grausam ermordet. Im September fand eine Veranstaltung von SOS Ruanda in unserem Vereinshaus statt.

In einem sehr kompetenten und informativen Vortrag durch eine Berliner Politologin wird  einleitend die aktuelle Situation in und um Ruanda beschrieben – für mein Empfinden spannend wie ein Thriller. Das gilt zumal für die außenpolitischen Aspekte: die hoffnungslose und z.T. völlig sinnlose Unterstützung und Nichtunterstützung der westlichen Großmächte (vor allem USA und Frankreich, aber auch England und Bundesrepublik spielen keine besonders positive Rolle), die Schwerfälligkeit des europäischen Gerichtshofes und die deprimierenden Intrigen zwischen diesem und den Regierungen, insgesamt die Ohnmacht der EU, da sie keine gemeinsame Sprache bzw. Stellungsnahme zustande bringt.

Ruanda Moderation

In der Pause die notwendige Zigarette und das Bier auf der Terrasse: es fällt schwer so einfach zur Tagesordnung überzugehen, und erst recht fällt es schwer, freundlichen Small-Talk über mehr oder weniger belanglose Themen zu üben. Hansi, Daniel und ich kommen zu dem (tiefsinnigen!?) Ergebnis: „Versuche in deinem kleinsten Wirkungskreis ordentlich zu leben und zu arbeiten, die große Politik ist nichts für uns, ganz abgesehen davon, dass du das Ganze ohnehin nicht verstehst“. Es bleiben Ohnmacht, Wut, Kopf schütteln…

Im aufregenden Gegensatz dazu folgen dann vier Mädchen mit traditionellen Tänzen aus Ruanda. Sie zeigen hinreißende Bewegungen voller Freude und Rhythmus, tanzen mit Hingabe und einem Lachen von innen heraus – einfach ein besonderes Erlebnis.

Ruanda TanzEs schließt sich der Bericht über die Arbeit des Vereins SOS Ruanda an. Da ist das Projekt „Kintele“, eine Grundschule in der benachbarten Republik Kongo für Flüchtlingskinder, die in Ruanda keine Chance hätten. Hervorgehoben werden das Engagement der Eltern, die ehrenamtlichen Lehrer und gewürdigt wird der besondere Einsatz einzelner Personen, wie z.B. eines französischen Ordensmannes namens Chopin. Beim Projekt „Gatenga“ handelt es sich um ein Jugendzentrum in Kigali/Ruanda, in dem kriegstraumatisierte Kinder die Chance auf Ausbildung als Maurer, Elektromonteur, Schweißer, Tischler erhalten und damit auch die Perspektive für ein selbst zu gestaltendes Leben.

Ein aus meiner Sicht bewundernswerter Einsatz, ein durchaus raffiniertes Vorgehen in kleinen Schritten, um an der Regierung vorbei im Interesse der Kinder zu wirken. Ich komme zu dem Schluß, dass Kirche doch auch gute Seiten hat und nehme mir auf jeden Fall vor, in Zukunft SOS Ruanda mehr zu unterstützen. Denn hier geht unsere Hilfe wirklich dorthin, wo sie ankommen soll!

Ein reichhaltiges Buffet im Jugendraum sorgt für das leibliche Wohl und eine sehr witzig moderierte Modenschau in Form von Paar-Geschichten ist der Höhepunkt für Auge und Atmosphäre. Dann nochmals die Tanzgruppe – und der Abend endet in einer sich fröhlich mischenden und tanzenden Gemeinde (Gerüchte besagen, dass Jenny und Vincent um 4 Uhr morgens die letzten Tänzer nach Hause schickten)…


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