Draussen vor der Tür…
… des Vereinshauses steht ein Findling mit der Aufschrift „W.E.T. 1880 – 1980“. Wir alle sind schon dutzend- oder hundertfach daran vorbeigelaufen, nehmen ihn vielleicht gar nicht mehr wahr. Und woher kommt dieser Stein?
Die Antwort finden wir in der Vereinszeitung von 1980: Im Zuge von Baggerarbeiten an der Vogelfluglinie (der Brücke zur Insel Fehmarn) wurde in 14 Meter Tiefe eben dieser Findling gehoben, der als Relikt aus der Eiszeit vor Jahrmillionen zum baltischen Höhenrücken gehörte. Es handelt sich um grünen Granit mit einem Gewicht von etwa 3 Tonnen.
Der Wasserbauingenieur Eberhard Lauschke „war dabei und machte dem W.E.T. zum 100. Geburtstag ein dolles Geschenk… Eberhard ließ den Findling auf einen LKW verladen und nach Hamburg fahren. Arnold Kästel, der eigentlich alles kann, stellte ihn unter nicht einfachen Verhältnissen auf, reparierte alles, was beim Abladen in die Brüche gegangen war und Harald Range ließ die Buchstaben „W.E.T.“ und die Jahreszahlen „1880 – 1890“ einmeißeln. Da steht er nun, der Findling aus der Ostsee, ein vom Eis verschleppter Gesteinsblock aus einem ehemaligen vergletscherten Gebiet“.
Eppendorfer Geschichte(n) – Vor 70 Jahren: Kinderturnen und Zweiter Weltkrieg
In der Vereinszeitung aus dem März 1939 (Seite 5/6) lesen wir unter der Rubrik „Kinder-Abteilungen“ in einem Artikel, der übrigens als einer der wenigen dieser Ausgabe nicht mit „Heil Hitler“ unterzeichnet ist, zur Vorbereitung auf einen Kinder-Turnwettbewerb die folgenden Passagen:

„Wenn in unseren monatlich erscheinenden Zeitungen ein Artikel über die Kinderabteilungen steht, so geschieht es nicht, um die Zeitung zu füllen oder um euch irgendetwas zum Lesen zu bieten. Ihr müsst alles aufmerksam durchlesen und vor allem dann die wichtigsten Anordnungen auch behalten und durchführen. Ich weiß, dass die meisten Turnerinnen und Turner eifrig die Zeitung durchstudieren. Diese wissen dann auch immer über alles Bescheid, vergessen keinen Termin. Sie bewahren sich vor allem auch die Zeitungen auf, damit sie nachschlagen können, wenn doch etwas vergessen wurde. …
Unser Wettkampf am Sonntag, den 23. März, steht vor der Tür. Er findet statt in der Turnhalle Schottmüllerstrasse 23. Wir beginnen um 10 Uhr pünktlich. Wer zu spät kommt, darf nicht mehr teilnehmen. … Wir treten in folgender Turnkleidung an: Turner: schwarze Hose und rotes Turnhemd; Turnerinnen: blaue Turnhose und weißes Turnhemd; alle: Turnschuhe und auf dem Hemd das Reichsbundabzeichen. Wer kein vorschriftsmäßiges Turnzeug hat, tritt ausnahmsweise anders an, muss es mir aber vorher auf dem Turnplatz melden. Es nehmen alle Kinder teil, keiner darf unentschuldigt fehlen. …

Wenn ihr bei der Riegeneinteilung aufgerufen werdet, tretet ihr schnell hinter dem Riegenführer an. Alle müsst ihr aber, wie ich es schon auf den Turnplätzen bekannt gegeben habe, euer Vorturnerheft mitbringen. Die Wettkampfübungen müssen eingeklebt oder hineingeschrieben sein! Nach der Riegeneinteilung und Aufstellung geht das Aufräumen der Geräte schnell und geräuschlos vor sich. Während des Turnens herrscht beste Riegenordnung… Nun also frisch ans Werk“.
Und der „Bannfachwart für das Turnen, Bann 188“ fügt, an die Eltern, gerichtet hinzu:
„Es ist jedoch wünschenswert, dass unsere Pimpfe möglichst viele Kameraden aus ihren Reihen für das Turnen werben, um so mitzuhelfen an der Verwirklichung des nationalsozialistischen Gedankens „Gesundes Volk durch Leibesübungen“, und gleichzeitig den Nachwuchs für die kommenden späteren olympischen Spiele sicherzustellen“.
Anmerkung der Redaktion: Die „kommenden olympischen Spiele“ kamen erst einmal nicht (die nächste Olympiade fand 1948 in London statt) – stattdessen hatte Nazi-Deutschland nur wenige Monate nach Erscheinen dieses Artikels mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg entfacht, dessen Opfer am Ende mindestens 55 Millionen Menschen wurden. Die Sportvereine in Deutschland waren in den Jahren vor der Nazi-Herrschaft in die sozialdemokratisch oder kommunistisch orientierten Arbeitersportvereine und die bürgerlichen Vereine getrennt. Während erstere gleich von den Nazis verboten worden waren, wurden letztere, darunter auch der W.E.T., ab 1934 von oben im “Deutschen Reichsbund für Leibesübungen” (DRL) zusammengeschlossen.